Jürgen Popp erhält Ellis R. Lippincott Award für Forschung in der lichtbasierten Diagnostik

 

Biophotonik-Forscher und JenaVersum-Vorstandsmitglied Jürgen Popp, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) und Professor für Physikalische Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, ist mit dem Ellis R. Lippincott Award 2026 ausgezeichnet worden. Die internationale Ehrung wird gemeinsam von Optica, der Coblentz Society und der Society for Applied Spectroscopy vergeben.Die Fachgesellschaften würdigen Popp für seine wegweisenden Beiträge zur translationalen klinischen Raman-Spektroskopie. »Translation« steht für die systematische Überführung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in konkrete Anwendungen, etwa in der Medizin. Popp habe wesentlich dazu beigetragen, die Raman-Spektroskopie als eine wichtige analytische Methode in der biomedizinischen Forschung zu etablieren und für die klinische Nutzung weiterzuentwickeln.

Popp und seine Forschungsteams verbinden grundlegende laserbasierte Spektroskopie- und Bildgebungsverfahren mit deren Überführung in klinisch nutzbare diagnostische und therapeutische Technologien. Schwerpunkte liegen unter anderem in der Infektionsforschung, der Onkologie und der Präzisionsmedizin. Unter seiner Leitung wurden photonische Verfahren – insbesondere Raman-basierte Ansätze – zu leistungsfähigen Werkzeugen für labelfreie Echtzeitdiagnostik weiterentwickelt.

Der Ellis R. Lippincott Award gilt international als eine der bedeutendsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Schwingungsspektroskopie. Er wird seit 1975 an Persönlichkeiten verliehen, deren Arbeiten die Forschung anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler maßgeblich beeinflusst haben. Die Preisverleihung ist für Oktober 2026 auf der Fachkonferenz SciX in Sparks, Nevada (USA), vorgesehen.

Weitere internationale Anerkennung in kurzer Folge

Bereits im Januar 2026 hatte die Fachgesellschaft SPIE Jürgen Popp mit dem Biophotonics Technology Innovator Award ausgezeichnet. Gewürdigt wurden dabei insbesondere Beiträge zur technologischen Weiterentwicklung photonischer Diagnostik und zu deren Überführung in klinische Anwendungen, von der intraoperativen Tumorerkennung bis zur schnellen Infektionsdiagnostik. »Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Sie steht für mich vor allem auch für die Zusammenarbeit vieler Teams und Partner«, sagt Popp. »Translation gelingt nur im engen Schulterschluss: zwischen Chemie, Physik, Lebenswissenschaften und Medizin sowie zwischen Forschungseinrichtungen, Kliniken und Industriepartnern, national wie international. Fortschritte in der biophotonischen Diagnostik entstehen nur in Netzwerken.«

Seit 2006 leitet Popp als Wissenschaftlicher Direktor das Leibniz-IPHT und hat das Institut in dieser Zeit zu einer international sichtbaren Forschungsumgebung für photonische biomedizinische Technologien weiterentwickelt. Er ist Mitglied im Vorstand von JenaVersum und initiierte zahlreiche strategische Partnerschaften, darunter eine enge Kooperation zwischen den JenaVersum-Forschungspartnern Leibniz-IPHT und Universitätsklinikum Jena.

Leibniz-Institut für Alternsforschung und Universität Jena erforschen Rolle ribosomaler RNA bei Krebs und Alterungsprozessen

Gemeinsame Forschungsgruppe untersucht rRNA als Biomarker und Basis für neue Therapieansätze

Laut einer aktuellen Studie der zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wird die Zahl der Krebserkrankungen bis zum Jahr 2050 weltweit um bis zu 77 % ansteigen, insbesondere in den Industrieländern. Die zunehmende Lebenserwartung gilt dabei als wesentlicher Treiber dieses Trends.

Vor diesem Hintergrund ist im Januar 2026 das neue Forschungsprojekt „KreDiT RNA“ des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena gestartet, um den Zusammenhang zwischen Altern, rRNA-codierenden Genen und Krebs eingehend zu untersuchen. Die gemeinsam geleitete Forschungsgruppe der beiden JenaVersum-Partner mit derzeit fünf Mitarbeitenden an zwei Standorten wird durch Prof. Christoph Englert (FLI) und Dr. Holger Bierhoff (Institut für Biochemie und Biophysik, Uni Jena) fachlich betreut.

Die Aktivität der rRNA-Gene steuert die Produktion von Ribosomen, den „Fabriken“ der Zelle für die Herstellung von Proteinen. Überaktive rRNA-Gene führen zu verstärktem Zellwachstum und können Tumorbildung begünstigen, während ihre Hemmung Alternsprozesse, zumindest in einfachen Modellorganismen wie Fadenwürmern, verlangsamen kann. Eine spezifische Hemmung der rRNA-Synthese wäre daher eine vielversprechende Krebstherapie, passende Hemmstoffe sind bisher aber klinisch noch nicht etabliert. RNA-basierte Behandlungsansätze könnten hier jedoch neue Möglichkeiten bieten. Ein besonders innovativer Ansatz des „KreDiT RNA“-Projekts ist die Nutzung der kurzlebigen Fischspezies Nothobranchius furzeri als Modell für die alternsabhängige Krebsentstehung. Durch die gezielte genetische Manipulation der rRNA-Synthese soll untersucht werden, wie Veränderungen in diesem System die Krebsentwicklung im Verlauf des Lebens beeinflussen.

Die Forschungsgruppe wird sowohl von klinischen Partnern als auch von Thüringer Biotech-Firmen unterstützt. Daneben hilft auch SPARK@FLI, ein spezielles Förderprogramm des FLI, den Forschenden bei der translationalen Umsetzung ihrer Erkenntnisse. Ein besonderes Anliegen von „KreDiT RNA“ ist es, die Forschung nachhaltiger und umweltschonender zu gestalten. Zu diesem Zweck werden die Beteiligten ein Training absolvieren und eine Zertifizierung durch My Green Lab erhalten.

Die Durchführung des Projekts wird für die nächsten 3 Jahre von der Thüringer Aufbaubank (TAB) mit 1 Mio. Euro gefördert. Mit diesem integrativen Ansatz verbindet „KreDiT RNA“ Grundlagenforschung, innovative Tiermodelle, klinische Relevanz und Nachhaltigkeit, um neue Wege in der Krebsdiagnostik und -therapie zu eröffnen.